47. GutsMuths Rennsteiglauf

Rennsteiglauf Supermarathon finished

Mein erstes Jahresziel 2019 erreicht.

Prolog GutsMuths Rennsteiglauf

Das Laufjahr 2018 verbrachte ich ohne wirkliche Ziele, was dazu führte, dass das Laufjahr so vor sich hindümpelte. So beschloss ich nach dem 5. Taubertal 100 Ultramarathon mir Ziele für 2019 zu stecken. So meldete ich mich bereits im Oktober 2018 für den 47. GutsMuths Rennsteiglauf auf die Supermarathon Distanz an.

Start Rennsteiglauf Supermarathon in Eisenach

Start Rennsteiglauf Supermarathon in Eisenach

Supermarathon bedeutet bei dem Lauf 73,9km von Eisenach nach Schmiedefeld mit 1.829 positiven Höhenmetern.

Obwohl der Januar 2019, dank Grippe, ein läuferisch Totalausfall war, liefen nach einem harten Wiedereinstieg die Vorbereitungsläufe Harten Mann Extremlauf und Trollinger Marathon erstaunlich gut. Eigentlich wollte ich noch ein 50km Ultramarathon vor dem Rennsteig laufen, was sich zeitlich aber nicht ausging. So mussten die knappen 920 Trainingskilometer in 2019 reichen.

Bereits einen Tag vor dem Lauf reisten Andrea und ich in Eisenach an. Wow – Eisenach ist eine richtig schöne Stadt. Nach dem CheckIn im Hotel, welches 200m vom Marktplatz / Start entfernt liegt, holten wir die Startunterlagen ab und gingen im Kartoffelhaus ordentlich essen.

Ziele für den Rennsteiglauf

Ich kann die Distanz 74km ganz gut einschätzen – was ich aber überhaupt nicht einschätzen konnte sind die Höhenmeter und das Gelände / Bodenbeschaffenheit.

So rechnete ich etwas hin und her … Armin, ein Vereinskollege, läuft einen Marathon 30-35 Minuten schneller als ich. Wir haben beinahe die doppelte Distanz und viele Höhenmeter. Armin lief letztes Jahr den Rennsteig in ca. 09:00 Stunden. So rechnete ich mir eine Zielzeit von ca. 10 Stunden aus.

Vor dem Start in Eisenach (na - wer erkennt die Jacke?)

Vor dem Start in Eisenach (na – wer erkennt die Jacke?)

Raceday Supermarathon beim Rennsteig

Zusammen mit ca. 2.080 Läuferinnen und Läufer ging es um 06:00 Uhr am Marktplatz in Eisenach los um bereits nach ca. 500m gleich ordentlich eine Anstieg zu überwinden. Auf Grund des Höhenprofiles wusste ich, dass es die ersten 25km von Eisenach (215m NN) bis zum Großen Inselsberg (916m NN) nur Berg hoch geht. So lies ich es locker angehen. Schon hier zeigt sich, dass ein „Durchlaufen“ unmöglich war. Einige Steigungen waren nur im Gehen zu meistern – alles andere wäre zu kraftraubend gewesen.

Das Tempo muss man sich bei dem Lauf gut einteilen

Das Tempo muss man sich bei dem Lauf gut einteilen

Anfängerfehler kosten Nerven und Zeit

Bei Kilometer 10 merkte ich schon, dass mein Laufshirt an meinen Brustwarzen rieb – verdammt was für ein „Anfängerfehler“. Am Morgen vergessen die Brustwarzen abzukleben. Bei km 15 stand eine besetze Bergwachthütte, bei der ich mir Tapestreifen geben lies. Zeitverschwendung, die sich hätte vermeiden lassen und die ich noch weitere zwei Mal wiederholen musste, da das Tape auf verschwitzter Haut nicht wirklich hält.

Großen Inselberg 916 m NN

Endlich die ersten 25km und somit das erste Drittel geschafft. Hier wartete Andrea mit ihrer Kamera auf mich und winkte mir von oben zu. Kaum oben ging es steil Bergab. Ein Läufer versuchte es rückwärts, ich versuchte leichten Zickzack Lauf. Alle paar Kilometer kamen Verpflegungsstellen mit Getränken, Haferschleim, Salz, Zitronen – also genau meine Verpflegung.

Ab und an war auch gehen angesagt

Ab und an war auch gehen angesagt

Großer Inselberg

Großer Inselberg

Aussicht und Bodenbeschaffenheit

Baum, Baum, Baum – ohhhh ein Baum … hier und da konnte man ein Blick auf die schöne Landschaft erhaschen. Von der Bodenbeschaffenheit war alles dabei. Weicher Waldboden – mit und ohne Wurzeln, mal mehr, mal weniger befestigte Waldwege. Man musste sich oft auf den Weg konzentrieren um nicht fehlzutreten. Einige Läufer machten auch unliebsame Bekanntschaft mit dem Boden und holten sich die eine und andere Schramme.

Wer hoch rennt, muss auch wieder runter

Wer hoch rennt, muss auch wieder runter

Km 40 – Neue Ausspanne – mentales Tief

Nach dem Verpflegungspunkt „Neue Ausspanne“ lief es nicht mehr. Atmung wollte nicht mehr, mir war warm, die Sonne schien mir ins Gesicht, Beine taten weh, Motivation am Ende … „Ich steig aus!“ – nur wie findet mich dann Andrea??

Und dann bei km 42 einen f*cking Berg hoch … „Ich mag nicht mehr!“

Kurz nach dieser Aufname fiel ich in ein mentales Loch

Kurz nach dieser Aufname fiel ich in ein mentales Loch

Scheinbar ging es aber nicht nur mir so. Ich wurde von einem Läufer angesprochen … „Heute läufts nicht“ – meinte er – „JAAAA wem sagst das???“ . Es war seine 9. Teilnahme beim Rennsteig Supermarathon. So kamen wir ins Gespräch. Er ist Arzt, kommt aus der Gegend und und und … so verflogen die Kilometer und verdammt wir sind am Grenzadler.

Grenzadler – Zeitlimit

Grenzadler km 54 – diesen Kontrollpunkt müsse alle Läufer bis 15 Uhr passiert haben. Wer später kommt, wird aus dem Rennen genommen. 12:54 Uhr … 06:54 Stunden unterwegs – passt. Mein Kopf fängt an zu rechen. „Noch 20km und 3 Stunden Zeit“ und obwohl der Sauerstoff in den Beinen war – ja, die 10h sind realistisch!

Grenzadler Verpflegungsstelle

Nutellabrot!! Hier musste ich einfach zuschlagen! Mit einem Nutellabrot im Mund und einem in der Hand ging es weiter.

Leider verlor ich an der Verpflegungsstelle meinen Mitläufer. Weiter geht´s dachte ich mir. Noch 20km.

Neuer Mitläufer

Nachdem es so gut mit einem Mitläufer ging, dachte ich mir – hey, rede doch selbst mal einen an. Und schon waren wir zu zweit unterwegs. Und wieder einen erfahrenen Rennsteigläufer erwischt, der genau wusste, wann und wo man langsam tun musste. Ab und an liefen wir zu Dritt, wobei wir den Dritten immer wieder verloren um ihn dann wieder „einzufangen“.

10km nach dem mentalen Loch ist wieder Zeit für Spässe und Blödsinn

15km nach dem mentalen Loch ist wieder Zeit für Spässe und Blödsinn

Großer Beerberg (938 m NN)

Zu zweit ging es den Großen Beerberg hoch km 61,6. Der höchste Punkt des Rennsteiglauf war erreicht. Es lief … und wie … nur noch 13km. Bei der Verpflegungsstelle „Sommerwiese“ wartete Andrea wieder auf uns und schoss uns mit ihrer Kamera ab. Leider verlor ich hier auch diesen Mitläufer, der länger an der Verpflegungsstelle brauchte. Mir reichte ein Cola Wassermix, Haferschleim und ein Nutellabrot. Ja, es hätte auch Thüringer Rostbratwürste gegeben – ich wusste aber nicht, wie mein Magen darauf reagiert. Nur noch 9km.

Endspurt nach Schmiedefeld

Nur noch 9km, 8:21 Stunden unterwegs und somit noch 1:39h um unter 10 Stunden zu bleiben. Ab hier wusste ich – ich bleib unter 10 Stunden. Ohne Mitläufer ging es weiter, bis der andere Läufer, mit dem wir immer wieder einmal zusammen liefen auf mich auflief. Und so ging es weiter – auch er, ein ehemaliger Leistungsschwimmer, hatte mehrfache Erfahrung beim Rennsteiglauf und ich konnte von seinem Wissen profitieren.

Verpflegungsstelle

Verpflegungsstelle

Bei km 69,3km passierten wir die letzte Verpflegungsstelle und dann ging irgendwie alles schnell. Wir liefen immer schneller. Es lief einfach – Kondition hielt, Beine fühlten sich gut an, Atmung war ruhig und regelmäßig, Puls unter 150bpm.

Zieleinlauf in Schmiedefeld

Die letzten Kilometer bis ins Ziel liefen wir mit einer Pace von unter 06:00 Min/km. Teilweise zeigte die Uhr eine Pace von unter 05:20 Min./km an.

Durch die Schrebergärten und dann hinab ins Ziel!

Geschafft!

Yes - finished!

Yes – finished!

Ergebnis 47. GutsMuths Rennsteiglauf Supermarathon

Gesamtzeit: 09:26:24 h
Gesamtplatz: 986
AK-Platz: 175 der M45

47. GutsMuths Rennsteiglauf Supermarathon Urkunde

GPS Aufzeichnung Rennsteig Supermarathon

Prolog GutsMuths Rennsteiglauf

Wo ist Andrea? Schon vor und während dem Zieleinlauf hielt ich Ausschau nach Andrea – sie war nicht zu sehen. Im Ziel holte ich mir die Medaille ab und trank etwas.

2 Stunden nach dem Supermarathon kann ich schon wieder lächeln - geht ja auch ums Essen

2 Stunden nach dem Supermarathon kann ich schon wieder lächeln – geht ja auch ums Essen

Ein junger Mann sprach mich an „Hallo Steffen – wir stehen da drüben, Andrea steht auf der Autobahn“. Zuerst erkannte ich ihn gar nicht und ging mit ihm zu den anderen steiden-runners, welche erfolgreich den Marathon und den Halbmarathon gelaufen sind. Nach so einem Lauf brauch ich immer ein paar Minuten, bevor mein Gehirn wieder richtig funktioniert und so realisierte ich erst nach und nach was los war. Die Straßen nach Schmiedefeld sind gesperrt. Andrea war auf dem Weg über Suhl und stand auf einem Parkplatz 4km entfernt. Zusammen mit Armin, der eine super Zeit hinlegte, ging es einen Berg hinunter zu den Pendelbussen – leider fuhr er uns vor der Nase davon. So nahmen wir uns ein Taxi zum Busparkplatz außerhalb von Schmiedefeld, wo Andrea auf uns wartete. Ab zu Andrea ins Auto und zurück nach Eisenach, wo eine warme Dusche und ordentliches Essen auf mich wartete.

Die Energiespeicher wollen gefüllt werden

Die Energiespeicher wollen gefüllt werden

Resümee Rennsteig Supermarathon

Eine sehr schöne Veranstaltung. Super durchorganisiert, tolle Leute an den Verpflegungsstellen, und und und … eine der bisher besten Veranstaltungen, an denen ich teilgenommen habe.

Und auch sündigen gehört mit dazu

Und auch sündigen gehört mit dazu

Weitere interessante Berichte

Bericht von Andrea

19. Trollinger Marathon

6. Harte Mann Extremlauf