Kronio Intro Speed Trail
Prolog: Wie ich zum Kronio Trail auf Kreta kam
Bereits letztes Jahr kam Andrea auf die Idee, dass ich während unseres Urlaubs auf Kreta an einem Lauf teilnehmen sollte. Dagegen ist grundsätzlich nichts einzuwenden.
Ihre Wahl fiel auf den Kronio Mountain Marathon in der Lasithi-Hochebene. Perfekt – den Ort kannten wir bereits, und er liegt nur etwa 60 Minuten vom Hotel entfernt.
Aber: 45 km mit 2.350 Höhenmetern und voraussichtlich hohen Temperaturen? Eher nicht. Nach fünf Tagen mit gutem Essen, griechischen Weins und dem einen oder anderen Ouzo (Auf Kreta trinkt man Raki – ist aber nicht so meins) war mir das doch etwas zu ambitioniert. Zum Glück gab es neben dem 45km und dem 5km auch den „Intro Speed Trail“ mit 13,6 km mit rund 480 Höhenmetern.
Ich und Trail? Da werden die Schuhe ja dreckig … nun gut, auf Kreta maximal staubig, dachte ich.

Achtung! Es folgt *mimimi*
Wenn es nicht zu heiß werden würde, sollte das trotz meiner angeschlagenen Form – mehrere grippale Infekte, eine Wadenentzündungen, seit Oktober Entzündung in der linken Schulter, zu viel Gewicht … *mimimi* – machbar sein.
Raceday – Regen, Nebel und rutschiger Untergrund
Ich hatte mit warmen Temperaturen gerechnet, doch schon fünf Tage vor dem Lauf landeten wir auf Kreta bei 20 bis 23 Grad. Perfekt für den Lauf – dachte ich noch.

In der Nacht und am Wettkampftag regnete es. Auf der Straße wäre das kein Problem gewesen – im Gegenteil. Doch der ohnehin schon anspruchsvolle, steinige Untergrund verwandelte sich in eine rutschige Mischung aus Schlamm und Steinen.
Auch die erhoffte Aussicht auf die Lasithi-Hochebene blieb durch Nebel und Wolken verborgen.
Egal – ich war nun einmal da, hatte die günstigen 20€ für die Startgebühr bezahlt, also wird auch gelaufen.
Ohhh, ich bin der einzige Nichtgrieche am Start. Von der Pflichtunterweisung habe ich daher nichts verstanden.
Der Anfang ist leicht
Die ersten drei Kilometer ließen sich selbst für einen Straßenläufer wie mich noch gut laufen, doch ab Kilometer vier änderte sich das deutlich. Es wurde steiler, und der Untergrund verlangte meine volle Konzentration.
Man merkte schnell meine mangelnde Trail-Erfahrung.

Der Untergrund hatte es wirklich in sich – selbst der Yeti Trail bei Schnee und Matsch war nicht so anspruchsvoll.

Und zack – schon war ich das erste Mal ausgerutscht, umgeknickt und auf der Nase gelandet.
Notiz an mich: „Fass nicht die Pflanzen an und fall da bloß nicht rein – die stacheln alle“.

Autsch – rechtes Sprunggelenk meldet sich
Etwa bei Kilometer sieben passierte es wieder. Ich rutschte auf dem Untergrund aus, knickte um und lag erneut am Boden im stacheligen Grünzeug. Mein erster Gedanke: „Uhhh – die Bänder im rechten Sprunggelenk.“
Aufgerappelt, vorsichtig aufgetreten – Mist, die Bänder haben was abbekommen. Ein paar vorsichtige Schritte später ging es vorsichtiger weiter. Jetzt, wo ich den Bericht schreibe – 2 Wochen nach dem Lauf – kann ich noch immer nicht trainieren.
Es geht bergab – aber nicht einfacher
Bis Kilometer acht ging es bergauf. Am höchsten Punkt des Trails gab es eine Verpflegungsstation und ab da ging es bergab. Eigentlich ein Grund zur Freude für Straßenläufer – hier allerdings nicht.
Der Untergrund wurde immer schwieriger zu laufen führte auch häufiger zu unfreiwilligem Bodenkontakt.

Verlaufen – warum 13,6km laufen, wenn man daraus auch 16,3km machen kann?
Bei Kilometer 11,5 übersah ich eine Abzweigmarkierung.
Ich dachte noch: „Endlich einmal ein schöner Weg – steil bergauf, aber da kann ich mal Gas geben – etwas steiler als Oberstetten – Eichswiesen (Teil meiner Hausrunde)“.
Zusammen mit zwei Mitläufern ging es motiviert hoch.
Wo sind die sonst üppigen Wegmarkierungen?
Wo sind die anderen Mitläuferinnen und Läufer?
„Wir sind falsch.“ Oben erst einmal versucht zu orientieren – meine griechischen Begleiter waren aber genauso ahnungslos. Auf der Karte sieht man unseren Umweg recht gut 😉
Wenn ich meiner Uhr glauben darf, kamen dabei 2,7 Kilometer und 135 Höhenmeter zusammen.

Etwas frustriert über den Umweg und die dabei verlorene Zeit, ging es dann auf dem richtigen Weg weiter ins Ziel.
Bei besserem Wetter hätte die Aussicht am oberen Punkt des Umweges sicher einiges wettgemacht.
Zieleinlauf und ein ehrlicher Kommentar
Im Ziel wartete bereits Andrea durchgefrorene auf mich.
Ihr Kommentar: „Du solltest laufen und kein Sightseeing machen.“
Wo sie recht hat, hat sie recht.

Trotz Umweg, schlechter Witterung, keiner Aussicht, mehrfachem unfreiwilligen Bodenkontakt, dickem rechten Sprunggelenk – sehr schön wars!

Fazit zum Kronio Trail
Der Kronio Intro Speed Trail war für mich der bisher anspruchsvollste Trailrun.
Trotzdem (oder gerade deshalb) war es ein tolles Erlebnis:
- hervorragende Organisation
- drei Verpflegungsstationen auf 14 km
- faire Startgebühr von 20 €
- supernette und hilfsbereite Menschen
- …
